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Wie Weihnachten – Geschichten von Pater Zlatko

Glück ist keine Frage des Geldes. Aber Geld kann Chancen geben, Sicherheit, Nahrung und Bildung.
(Symbolfoto von El Caminante auf pixabay)

Wir sitzen Pater Zlatko gegenüber. Auf dem Adventkranz brennt gerade eine Kerze. Er hat uns zum essen eingeladen und seine beste Flasche Wein geöffnet. Wir bitten ihn um eine Weihnachtsgeschichte für diesen Newsletter, weil seine Geschichten das Herz erwärmen und seine Arbeit ohnehin, die wir sehr gerne und auch viele unserer Kunden mit den Überzahlungen ihrer Rechnung bei uns unterstützen.

Er denkt nach und erzählt von den Patenschaften in der Schule in Paraguay betrieben von Ordensschwestern, die er immer wieder unterstützt und besucht, wenn er in Südamerika zu tun hat. „Die Schwestern haben die Kinder aufgeschrieben, deren Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können – 237,- im Jahr. Sie unterrichten die Kinder mit Spenden und auf eigene Kosten trotzdem, aber die Lehrer bleiben ohne Lohn. Mit 130 Euro sind zumindest die Kosten für Bücher, Essen, Kleidung und dergleichen gedeckt, da haben die Lehrer allerdings noch immer ohne Lohn gearbeitet.“

„Doch nein“, er unterbricht sich, „das ist eigentlich keine Geschichte…“ er denkt nach und trinkt einen Schluck Wein.

„Ja! Ich weiß. Das eignet sich vielleicht besser. Bei meiner letzten Reise sind wir nach San José de Aroyo gefahren, dort sollte ein Ess-Saal für Kinder eröffnet werden, für den ich mich eingesetzt hatte. Dort angekommen beginnt es plötzlich wie aus Kübeln zu schütten. Die Straße war sofort nur noch Schlamm und man konnte nicht weiter kommen. Es sollten auch viele Kinder kommen. Es schien unmöglich. Die Schwester rief: ´Heiliger Josef noooooch viiiiel Regen!`Was bedeutete, dass das lange dauern könne, wenn es mal regne, dann höre es so schnell nicht mehr auf. Ich schickte eine Stoßgebet nach oben, dass doch bitte der Regen sofort aufhören muss.“ Er lächelt verschmitzt und schaut gespielt streng nach oben. „Aber nichts“, er breitet die Hände aus, „nichts! Es hat nicht funktioniert. Es hat weiter geregnet.“ Also wende ich mich an den heiligen Josef, nach dem die Stadt benannt ist und verspreche im Stillen sofort eine Klimaanlage für die Kinder in der Schule zu kaufen, wenn der Regen aufhört. Das ist viel! Ich wusste sie kostet 2300 Euro.“ Er macht eine kleine Kunstpause. Das  vergnügte Glitzern in seinen Augen lässt hoffen. „Der Regen hörte sofort auf! Sofort“, wiederholt er. Jetzt ernst und fast eindringlich, selbst berührt von diesem Geschenk des Himmels. „Es blieb trocken und als wir wieder zurückfuhren war es trocken bis zur Ortstafel. Vor der Ortstafel war es trocken, dahinter schüttete es aus Kübeln.“

Er zuckt die Achseln und lächelt. „Schwester Soledad musste ich die Sache natürlich erzählen. Und dann musste ich zahlen.“ Er lachte. „Ich habe das dann gleich überwiesen.“

Wir reden noch über dies und das. „Die Geschichte von dem Mann beim Altersheim habe ich Euch schon erzählt?“ Ich verneine. „Ich besuchte ein Altersheim in San Ignacio“, er unterbrach sich selbst, „was heißt Altersheim. Eine Bruchbude war das. Ein Gestank“, er schüttelt den Kopf bei der Erinnerung, „so schlimm. Ich habe sofort etwas Geld dort gelassen und später auch noch etwas nachgeschickt. Dann hat die Stadt das Projekt aufgegriffen und jetzt haben sie ein ordentliches Haus.

Ich stehe also da in der Küche, als ein dünner ausgemergelter Mann – so dünn, dass es nicht mehr geht- vor dem Fenster um etwas zu essen bittet. Und ich hatte nichts. Die Schwester hatte auch nichts. ´Nur ein Stück Brot` bat er weiter. Wir hatten kein Brot nur eine Bananen. Nichts. Ich hatte auch kein Geld bei mir und suchte doch in meinen Taschen, ob ich nicht etwas finden kann.

Er durfte nicht ohne etwas gehen.

Ich finde einen 20 Dollarschein in meiner Brusttasche, ich verberge ihn in meiner Hand, damit er nicht sieht, was ich ihm gebe. Ich drücke ihm die Hand, sehe ihm in die Augen und lasse den Schein in seiner Hand. Dann drehe ich mich schnell um“, er macht eine Pause, in der ich mich frage, warum er sich denn so schnell weggedreht hatte, „ damit er mich nicht weinen sieht“, sagt er, „wisst ihr… dass es so etwas gibt“, ihm glänzen auch jetzt die Augenwinkel verdächtig feucht und ich brauche ohnehin bereits ein Taschentuch, „so eine Armut.“ Er schneuzt sich. „ Dann kommt die Schwester an meine Seite, berührt meinen Arm und sagt: , Der Mann weint. Er sagt er werde diesen Schein  nie verwenden. Er werde ihn sich rahmen und an die Wand hängen, lieber wolle er verhungern. Denn zum ersten Mal in seinem Leben`“, der Pater stockt bei der Erzählung, „ der Mann sagte: ,zum ersten Mal in meinem Leben, hat jemand einen Menschen in mir gesehen`.“

Heuer sind für Pater Zlatko bisher 800 Euro an Überzahlungen eingegangen, die wir für ihn verdoppelt haben. Danke dafür! Denn die größte Freude ist, Freude zu machen.